Ethik trifft Leben > Medizinethik > Patientenautonomie > Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung

Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung

Hilfreich für diesen Prozess der Willensbildung, Entscheidungsfindung und Patientenautonomie bei einer schwer wiegenden lebensverkürzenden Erkrankung ist eine individuell erstellte, gesetzlich gültige Patientenverfügung. Laut BGH-Urteil vom Juni 2016 muss sie genau auf Ihre persönliche gesundheitliche Situation zugeschnitten sein und den eigenen Willen für medizinische Notfälle, lebensbedrohliche Situationen, lebensverkürzende Erkrankungen oder das Lebensende festhalten. ÄrztInnen und Behandelnde sind verpflichtet, den darin geäußerten Willen zu beachten, z. B. ein Beatmungsgerät abzugeschalten, auch wenn damit ein beginnender Sterbeprozess beschleunigt wird. Das glt als passive bzw. indirekte Sterbehilfe und ist ausdrücklich erlaubt. Entscheidend ist Ihr geäußerter Wille. Wenn die Ärzte Sie entgegen Ihrem geäußertem Willen weiter behandeln, gilt das als Körperverletzung.  

Allerdings sind allgemeine Formulierung, dass lebensverlängernde Maßnahmen am Lebensende nicht gewünscht sind, unzureichend. Es muss ganz konkret festgehalten werden, welche Behandlungen am Lebensende oder bei einer lebensverkürzenden Erkrankung ausgschlossen werden sollen und welche erwünscht sind. Nach dem Patientenrechtegesetz sind die Verfügungen  für ÄrztInnen und Pflegpersonal rechtlich bindend. Patientenverfügung und Gesundheitsvollmachten gelten auch bzw. gerade, wenn Sie im Koma liegen oder aufgrund von Erkrankungen ihren Willen in einer lebensbedrohlichen Situation nicht mehr äußern könnnen. Allerdings können nicht alle gesundheitlichen und medizinischen Notfälle im Vorwege geklärt werden. Bei einem Unfall oder einer Notfallsituation, die nicht konkret das Lebensende umfasst, sind Ärzte und Rettungskräfte. solange keine anders leutende Patientenverfügung vorliegt, verpflichtet, Ihr Leben zu retten, Sie wiederzubeleben etc.

Eine Gesundheitsvorsorgevollmacht umfasst alle gesundheitlichen und medizinischen Belange: Wer ist für Ihre gesundheitlichen Belange zuständig, wenn Sie nicht mehr entscheiden können? Wer ist berechtigt, Informationen über Ihren Gesundheitszustand zu erhalten, Operationen zuzustimmen, wenn Sie dazu nicht mehr fähig sind? Dazu gehört auch eine Entbindung der ÄrztInnen von der Schweigepflicht.  Welche Behandlungsmethoden sollen zugelassen, welche ablehnt werden? Wer soll für Sie diese Angelegenheiten regeln und durchsetzen, wenn Sie aufgrund einer Erkankung entscheidungsunfähig werden?  Wer soll über Ihre medizinischen Angelegenheiten informiert werden? In einer weiteren Vorsorgevollmacht können Sie festlegen, wer Ihre rechtlichen und finanziellen Angelegenheiten im Falle einer Entscheidungsunfähigkeit regeln soll. Für finanzielle und rechtliche Vollmachten ist eine notarielle Beglaubigung sinnvoll, damit diese Vollmachten nach außen rechtswirksam sind.

Eine Patientenverfügung schafft noch weiter  reichende Vollmachten, umfasst auch den letzten Patientenwillen im Falle des Sterbens.  Seit der gesetzlichen Regelung im Jahr 2009 sind Patientenverfügungen rechtlich bindend, wenn sie ausreichend konkret formuliert sind und die persönliche Situation berücksichtigen. Diese sollten nicht älter als zwei Jahre sein. Sie können schriftlich formuliert sein. Aber auch der mündlich geäußerte Wille ist rechtlich bindend. Es ist keine notarielle Beglaubigung nötig.

Für diese Vollmachten gibt es zahlreiche Vordrucke von Patienteninitiativen,  Ärztekammern oder Justitzministerien.

Bei lebensbedrohlichen oder lebensverkürzenden Erkrankungen ist es empfehlenswert,  eine Gesundheitsvorsorgevollmacht und eine Patientenverfügungrechtzeitig vor dem Sterbeprozess zu erstellen, damit Sie und Ihre Angehörigen diesen letzten Schritt würdevoll und Ihrem letzten Willen entsprechend in Ruhe beschreiten können.

Gerne unterstütze ich Sie dabei, Ihre ganz Individuelle Vollmacht zu erstellen, die auf Ihre persönliche Situation zugeschnitten ist. Weitere Informationen finden Sie unter folgendem Link: