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Pränataldiagnostik

fPränataldiagnostik untersucht den Gesundheitszustand des Fötus im Mutterleib. Pränataldiagnostik ist heute ein selbstverständlicher Teil der Schwangerschaftsvorsorge. Es gibt nicht invasive Formen wie Blutuntersuchungen, Nackenfaltentransparenzmessungen und Ultraschallsonographie. So können Aussagen über einige fetale Fehlbildungen frühzeitig getroffen werden. Das ermöglicht eine sofortige intensivmedizinische Behandlung des Kindes nach der Geburt.

Zu den invasiven Formen der Pränataldiagnostik gehören Chorionzottenbiopsie (Entnahme von Plazentagewebe zur Untersuchung von fetalen DNA-Spuren) oder Amniozentese (Punktion und Untersuchung des Fruchtwassers, in der sich DNA des Fötus befindet). Sie beinhalten das Risiko einer Fehlgeburt. Invasive Verfahren ermöglichen genauere Diagnosen über einige fetale Erkrankungen erst zu einem Zeitpunkt zwischen der 14. und 20 Schwangerschaftswoche.  Das Untersuchungsergebnis erhalten die Eltern  meistens erst um die zwanzigste Schwangerschaftswoche herum.  Ein regulärer Schwangerschaftsabbruch aus sozialen Gründen ist bis zur 12. Schwangerschaftswoche straffrei. Aus medizinischen Gründen (Gefahr für das Leben der Mutter oder des ungeborenen Kindes) kann bis zum Einsetzen der Wehen ein Spätabbruch der Schwangerschaft vorgenommen werden.

 

Spätabbbruch der Schwangerschaft - Schwerwiegende Entscheidung

Wenn sich aus der pränataldiagnostischen Untersuchung ein auffälliger Befund ergibt, der eine Fehlbildung oder Behinderung des Kindes vermuten lässt, haben über 90% der Eltern  den Wunsch, die Schwangerschaft mit einen Spätabbruch aus medizinischen Gründen zu beenden.  Dieser ist nach § 2018, Satz 2 aus medizinischen Gründen aber nur zulässig, wenn eine schwerwiegende Gesundheitsgefahr ür die Mutter besteht. Offiziell ist eine lebensbedrohliche Erkrankung des ungeborenen Kindes kein ausreichender Grund mehr für einen Spätabbruch der Schwangerschaft. Wenn jedoch von ärztlicher Seite zu befürchten ist, dass eine schwere lebensbedrohliche Erkrankung oder Behinderung des Kindes die Gesundheit der Mutter bedroht, kann das nach psychosohzialer Beratung und einer 3-tägigen Bedenkzeit ebenalls Grund für einen Spätabbruch der Schwangerschaft sein, um die Mutter zu schützen. Mit dem Spätabbruch sind immer erhebliche ethische, moralische und psychosoziale Belastungen für die Eltern, Hebammen und ÄrztInnen verbunden. Bei der Entscheidung für oder gegen einen Spätabbruch  muss immer ein Ethikkommitee oder Ethikberatung und psychosoziale Beratung hinzugezogen werden. Dem späten Abbruch wird nur zugestimmt, wenn das Kind eine lebensbedrohliche Erkrankung hat und während oder einige Wochen nach der Geburt sterben würde. Bei einer Trisomie 21, Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, einer Spina Bifida oder anderen Formen der Fehlbildung ist das in der Regel aber nicht der Fall. Manchmal  wird  auch die psychosoziale Belastung der Eltern durch ein behindertes Kind als Grund für einen medizinischen Spätabbruch gesehen, bzw. von einigen ÄrztInnen zum Abbruch geraten. Der Unterstützungs- und Beratungsbedarf ist für Eltern, ÄrztInnen und Hebammen sehr groß und bisher unzureichend geregelt. Viele Eltern werden nicht ausreichend über Ihre Rechte auf Patientenautonomie, über ein Recht auf Wissen und Nichtwissen, über die Lebens- und Unterstützungsmöglichkeiten sowie Förderangebote von Kindern mit Behinderungen informiert. 

Praenatest als Vorhersage einerTrisomie 21?

Seit einigen Jahren werden in der medizinischen Forschung frühzeitigere Diagnosemöglichkeiten  entwickelt, in der Hoffnung, Eltern damit Entscheidungskonflikte in der fortgeschrittenen Schwangerschaft zu ersparen. Seit August 2012 ist der Praenatest, ein Bluttest zur Feststellung von freier Trisomie 21, der häufigsten Trisomieform, auf dem Markt. Dieser kann ab der 10. Schwangerschaftswoche vorgenommen werden. Viele Eltern erhoffen sich davon eine genaue und verlässliche Diagnose, ob ihr Kind gesund ist. Viele ÄrztInnen erwecken Eltern gegenüber den Eindruck, dass sie eine genaue Aussage über ein völlig gesundes Kind treffen könnten. Aber auch dieser Bluttest muss durch invasive Diagnostiken bestätigt werden. Die ethischen Konflikte und schwerwiegende Abwägungen für einen Schwangerschaftsabbruch oder eine bewusste Entscheidung für das Leben mit einem nicht gesunden Kind bleiben trotz des Testes bestehen. Seit kurzem erwägt der ständige Budesausschuss der Krankenkassen, diesen Bluttest in die reguläre Schwangerschaftsvorsorge aufzunehmen. Betroffenenverbände befürchten, dass damit ene Haltung forciert wird, dass Eltern selber Schuld seien, wenn sie ein behindertes Kind zur Welt bringen. Allerneuste Untersuchungen von kritischen Pränatalmedizinern zeigen,dass auch diese Tests keine 100%ige Gewissheit für den Ausschluss einer Trisomie 21 bieten. Beim Vorliegen einer so genannten Mosaik-Trisomie können auch diese Test falsch positive Ergebnisse liefern.

2017 wurde vom ständigen Bundesausschuss der Krankenkassen auf "Wunsch" der Bundesregierung eine Gesetzesnovelle für die Schwangerschaftsvorsorge angeregt. Kriische Verbände wie das Genethische Netzwerk oder kritische WissenschaftlerInnen wurden dabei nciht gehört und konnten am Gesetzgebungsverfahren nicht mitwirken. Nun ist der Praenatest Teil der Mutterschaftsvorsorge und damit selbstverständlicher Teil der Untersuchungen während der Schwangerschaft. Der schon vor 10 Jahren von kritischen WissenschaftlerInnen und Wissenschaftlern vorgeschlagene Aufklärung von zukünftigen Eltern über die Grenzen und Möglichkeiten on Pränataldiagnostikflossen nciht in den Gesetzesentwurf ein.Ein Praenatest gibt keine 100%ig sichere Aussage über die zukünftige Gesundheit des Kindes, das Problem des Spätabbruchs und damit das ethische Dilemma der so oder so schwierigen Entscheidung wird nicht gelöst. Dringend notwendig wäre eine Beratungspflicht durch Psychosoziale Beratung oder Ethikberatung.

Konfliktlösungen

Trisomie 21 ist in der Regel keine lebensbedrohliche Erkrankung für das Kind. Deshalb lehnen viele Kliniken eine Spätabbruch der Schwangerschaft beim Vorliegen einer Trisomie 21 ab.  Trotzdem entscheiden sich über 90% der Eltern nach dem Testergebnis für einen Abbruch der Schwangerschaft.

Mittlerweile gibt es vielfältige medizinische und soziale Hilfen und sehr gute sonderpädagogische Fördermöglichkeiten durch Integration und Inklusion. Einige von Trisomie betroffene Kinder und Jugendliche bewältigen mittlerweile eine gymnasiale Schullaufbahn und ein Studium. Wichtig ist neben der pränataldiagnostischen Untersuchung eine ausführliche Beratung über die medizinischen und sozialen Hilfestellungen hinaus.

Eine denkbare Konfliktlösung ist eine frühzeitige und ehrliche Aufklärung über die Grenzen und Möglichkeiten von Pränataldiagnostik während der Schwangerenvorsorge. Der Wunsch der Eltern, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen, ist absolut verständlich. Aber dafür gibt es totz aller medizinischen Weiterentwicklung keine vollkommene Gewissheit. Falsche Vorstellungen von den Möglichkeiten der  Pränataldiagnostik können ein gefährlicher Einstieg in ein technisiertes Menschenbild sein. Manche MedizinerInnen forcieren dieses Bild.  Ein Zwang zur Gesundheit, Behinderung als technisch leicht zu behebende Abnormität. die Veränderung des Menschenbildes und die Ablehnung eines Kindes, das "irgendwie anders" ist, können die dramatische Folge sein. Eine eigenverantwortliche Entscheidung können Eltern nur treffen, wenn sie über alle Chancen und Risiken informiert werden. Eine schriftliche Einverständniserklärung zu einem Spätabbruch und drei Tage Bedenkzeit sind als Konfliktlösung völlig unzureichend. Hier muss das Beratungs- und Gesprächsangebot wesentlich verbessert werden. Eltern dürfen mit Ihren Fragen und Bedenken nicht alleine gelassen werden, sondern rechtzeitig aufgefangen werden. Psychosoziale und Ethikberatung muss den Eltern von Anfang an zur Verfügung gestellt werden. Hier kann ich Sie durch Eine Beratungssituation mit Ruhe und Zeit unterstützen.