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Patientenautonomie

Patientenautonomie ist einer der wesentlichen Aspekte der Medizinethik. Danach haben PatientInnen das Recht, über alle bei ihnen vorgenommen Therapien und Behandlungen selber zu entscheiden, ihnen zuzustimmen oder sie abzulehnen. Das setzt eine ausführliche und genaue Aufklärung durch die behandelnden ÄrtztInnnen über alle Vor- und Nachteile einer Behandlung, die gewünschte Heilung und mögliche Nebenwirkungen oder Risiken voraus. Diese sollen PatientInnen auch ohne medizinisches Fachwissen verstehen können. Nur so können sie Nutzen und Risiko gegeneinander abwägen und in Ruhe eine eigene Entscheidung treffen, die ihrem Willen entspricht. Das nennt man Informed Consent.

 

Vor- und Nachteile der Patientenautonomie

Die in den letzten Jahren immer stärkere Umsetzung von Patientenautonomie in der medizinischen Behandlung verändert das Verhältnis zwischen ÄrztInnen und PatientInnen wesentlich von einem füher paternalistischen, fürsorglichen auf der Arztseite hin zu einer partnerschaftlichen kommunikativen Entscheidung als Ideal. Schwierig ist dabei der unterschiedliche Wissensstand und der unterschiedliche Blickwinkel auf Seiten der Behandelnden und der PatientInnen. Viele Krankenhäuser sind auf eine selbstverständliche und konsequente Umsetzung der Patientenautonomie noch nicht eingestellt. Für Ablehnung von bisher selbstverständlichen und unhinterfragten Behandlungsmethoden, kritische Fragen von PatientInnenseite, den Wunsch nach alternativen Behandlungsmethoden oder gar menschenwürdigere Begleitung bleibt im Krankenhausalltag häufig keine Zeit. Einige ÄrztInnen sehen darin immer noch einen überflüssigen Eingriff in Ihre berufliche und medizinisch notwendige  Entscheidungskompetenz oder fürchten eine Verschärfung der arztrechtlichen Haftung. Viele PatientInnen lassen sich von ausweichenden Antworten auf Seiten der ÄrztInnen und PflegerInnen entmutigen. Häufig trauen sie ihrer eigenen Wahrnehmung nicht oder denken, sie hätten kein Recht auf umfassende medizinische Informationen. Oftmals fühlen sie sich nicht in der Lage, medizinische Zusammenhänge zu verstehen. Für einen Informed Consent im Sinne der Patientenautonomie sind Behandlungsverträge und schriftliche Informationen, welche PatientInnen vor dem medizinischen Eingriff unterschreiben, nicht ausreichend. Sie dienen vor allem der haftungsrechtlichen Absicherung der ÄrztInnen.

Für ein Verstehen der Behandlung ist ein Aufklärungsgespräch mit Ruhe und Zeit nötig. PatientInnen brauchen die Möglichkeit, unbefangen Fragen stellen zu können. Einige Krankenhäuser, Palliativ- und Intensivstationen oder Hospize nehmen sich für Beratung und Gespräche, Einbindung der Angehörigen und ethische Beratung mehr Zeit. Das verbessert einen ethisch würdevollen Umgang mit den PatientInnen erheblich.

Patientenautonomie bei Nichteinwilligungsfähigkeit

Wenn PatientInnen aufgrund einer gesundheitlichen Einschränkung (Koma, Demenz, bestimmte psychische Erkrankungen) nicht mehr in der Lage sind, ihren Willen auszusprechen oder zu erkennen, was ihr Wille ist und keine aktuelle Patientenverfügung oder Gesundheitsvollmacht vorhanden ist, müssen die behandelnden ÄrztInnen, Pflegepersonal,  Angehörige, BetreuerInnen und Ethikberatung gemeinsam den mutmaßlichen Patientenwillen feststellen und umsetzen.  Auch in diesem Falle bleibt das Recht auf Patientenautonomie und Selbstbestimmung bestehen. Das gleiche gilt für Kinder, dass sie, ihrem Alter entsprechend,  im Sinne ihrer Verständnisfähigkeit über die Behandlung aufgeklärt werden. Hier darf natürlich auch die Zustimmung der Erziehungsberechtigten nicht fehlen. Bei Kindern ab 12 Jahren wird immer stärker deren eigener Wille berücksichtigt.

Besonders wichtig wird Patiententenautonomie bei lebensbedrohlichen oder lebensverkürzenden Erkrankungen, die Entscheidungen für Behandlungssituationen am Lebensende betreffen.

Rechtliche Grundlage der Patientenautonomie

Diese Entwicklung der letzen Jahre zu mehr Patientenautonomie wurde im Patientenrechtegesetz festgehalten,  welches im Februar 2013 in Kraft trat.  Allerdings stärken die z. T. unklar formulierten  Absichtserklärungen  nicht grundsätzlich die Rechte der PatientInnen.  Keine Operation, keine vorzeitige Entlassung, kein Setzen eines Bettgitters zum Schutz der Erkrankten darf ohne die schriftliche Zustimmung der PatientInnen, ihrer Angehörigen oder BetreuerInnen geschehen.

Nach der modernen Rechtsauffassung ist Patientenautonomie grundgesetzlich geschützt. Sie leitet sich aus der Menschenwürde und dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung ab. Sie beinhaltet aber auch ein Recht darauf, etwas nicht wissen zu wollen bzw. eine bestimmte Behndlung ablehnen zu können. 

Hier kann ich Sie als Ethikberaterin unterstützen, Ihre Fragen formulieren, rechtlich und ethisch beraten und dafür Sorge tragen, dass sie Antworten bekommen, die ihnen eine selbstbestimmte Entscheidung erleichtern.