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Medizinethik

Durch die Entwicklung der modernen Medizin zur technisierten Apparatemedizin ist für viele PatientInnen der Sinn von Heilung, Therapie und Diagnostik nicht mehr klar erkennbar. Schwierige Behandlungssituationen am Lebensanfang oder Lebensende, die Weiterentwicklung der Palliativ- und  Intensivmedizin, individuelle Krebstherapien oder invasive Behandlung von Frühgeborenen werfen immer häufiger ethische Fragestellungen auf, die sich früher so nicht gestellt haben.

  • Welche Behandlungsmethoden sind für mich noch vertretbar?
  • Wie wird mein Wille als PatientIn dabei berücksichtigt?
  • Wie kann ein dementer Mensch seinen Willen bekunden?
  • Befürworte ich lebensverlängernde Maßnahmen oder lehne ich sie ab?
  • Wie lange möchte ich künstlich beatmet werden?
  • Was ist, wenn ich im Behandlungsverlauf meine Meinung ändere?
  • Welche neuesten Techniken der Fortpflanzungsmedizin gibt es?
  • Welche Folgen hat das für mich persönlich, für das Kind und welche ethischen Grenzen gibt es?

Medizinethische Prinzipien
Aus diesen immer weiter reichenden Behandlungsmöglichkeiten entstehen Konflikte mit unüberschaubare Folgen, die gegeneinander abgewogen werden müssen. Sind den PatientInnen alle Konsequenzen Ihrer Entscheidungen klar? ÄrztInnen, Pflegende, PatientInnen, Betreuende und Angehörige müssen gemeinsam für diese Fragen Antworten  finden. Sie werden dabei zunehmend von klinischen Ethikkommitees unterstützt. Dabei haben sich folgende medizinethische Prinzipien  als praktikabel erwiesen:

  • Respekt vor der Autonomie des Patienten
  • Wohltun / Schadensvermeidung
  • Fürsorge bzw. Assistenz
  • Gerechtigkeit

Das setzt eine umfassende Aufklärung über alle Behandlungsschritte, ihre Vor- und Nachteile, den "informed consent" voraus, damit die PatientInnen Zustimmung oder Ablehnung äußern können. Dafür sind Ruhe und Zeit und das Verstehen der Behandlung nötig. Im medizinischen Alltag ist diese Zeit kaum vorhanden. Alles ist getaktet, schnelle oder technisierte Entscheidungen, Abrechnungen nach Fallpauschalen, selbstverständlicher Einsatz von hoch technisierten Medizinverfahren erwecken den Eindruck,  dass nur Ärztinnen und Ärzte in der Lage sind, für die Patientinnen und Patienten richtig zu entscheiden.  Auf der anderen Seite stehen dem die Berücksichtigung von mehr Patientenautonomie oder die selbstverständliche Erstellung von Patientenverfügungen und Gesundheitsvollmachten gegenüber. Hier kann die unabhängige Ethikberatung eine ruhige Gesprächssituation mit Zeit herstellen, in der Sie alle wichtigen medizinischen, ethischen, sozialen und rechtlichen Informationen erhalten um eine fundierte, für Sie richtige Entscheidung zu treffen, die manchmal auch anders als die ärztliche Entscheidung aussehen kann.