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Lebensverlängernde Maßnahmen

Lebensverlängernde Maßnahmen sind Behandlungsmethoden oder Therapien, die bei einer lebensverkürzenden Erkrankung PatientInnen noch möglichst lange am Leben erhalten oder ihre Lebensqualität am Lebensende erhöhen sollen. Sie verlangsamen den beginnenden Sterbeprozess, können ihn auch qualvoll lange hinauszögern, wenn PatientInnen eigentlich längst bereit sind, aus dem Leben zu scheiden.

Dazu können künstliche Beatmung, das Legen einer PEG-Sonde (Bauchsonde) zur künstlichen Ernährung z. B. bei einsetzenden Schlucklähmungen, Reanimation, Operationen, Infusionen zur Flüssigkeitszufuhr und ähnliches gehören. Lebensverlängernde Maßnahmen machen immer eine intensivmedizinische Behandlung notwendig. Es sind Behandlungsmethoden, die die Umstellung des Körpers auf den natürlichen Sterbeprozess aufhalten. Bei jungen Menschen, nach schweren Tumorerkrankungen oder bei einer freien Willensentscheidung der PatientInnen können sie sehr sinnvoll sein.

Während des Sterbeprozesses haben Menschen keine Durst- und Hungergefühle mehr. Der Körper stellt die Fähigkeit zu schlucken ein. Die Organe arbeiten nach und nach immer weniger. Leber und Niere können den Körper nicht mehr entgiften. Lebensverlängernde Maßnahmen werden von Behandelnden häufig eingesetzt, wenn Hoffnung besteht, dass die PatientInnen eine längere Zeit überleben und der Körper sich bei schwer wiegenden Erkrankungen noch  erholen könnte. Sie kommen aber auch zum Einsatz, wenn ÄrztInnen, Pflegekräften und Angehörigen befürchten, ansonsten für unterlassene Hilfeleistung oder aktive Sterbehilfe verantwortlich zu sein.

Probleme der lebensverlängernden Maßnahmen

Viele schwer kranke Menschen empfinden lebensverlängernde Maßnahmen am Lebensende mittlerweile als würdelos. Sie wünschen sich einen ruhigen, langsamen Sterbeprozess, bei dem sie sich in Ruhe von ihren Angehörigen in einer behaglichen Hospiz-Atmosphäre oder zu Hause verabschieden können. Sie  möchten zwar mit einer palliativmedizinischen Betreuung die Schmerzen und Nebenwirkungen des Sterbeprozesses wie unerträglichen Juckreiz, extreme Mundtrockenheit etc. gelindert bekommen, aber nicht mehr intensivmedizinisch behandelt werden. Starke Schmerzmittel wie Morphine können den Sterbeprozess beschleunigen und das Leben verkürzen. Diese Behandlungsmethoden gelten bei einem ohnehin einsetzenden Sterbeprozess als indirekte Sterbehilfe und sind erlaubt, wenn sie im Einvernehmen mit dem Willen der PatientInnen angwendet werden. 

Bei einer palliativmedizinischen Behandlung am Lebensende ist es besonders wichtig, die Behandlung genau auf die Wünsche der PatientInnen abzustimmen, mit ihnen  und den Angehörigen immer wieder im Gespräch zu bleiben. Den Abschiedsprozess mit großer Ruhe und Gelassenheit zu begleiten und die Betroffenen nicht alleine zu lassen.  Das gelingt auf palliativmedizinischen Stationen, in Hospizen oder bei einem Sterbeprozess mit Sterbebeleitung zu Hause wesentlich besser als auf der Intensivmedizinischen Abteilung eines Krankenhauses.

Deshalb ist es sinnvoll, diesen letzten Willen der PatientInnen in einer Beratungsgespräch in Vorsorgevollmachten und Patiententestamenten festzuhalten, bevor die lebensbedrohliche Situation eingetreten ist. Das ermöglicht den PatientInnen einen menschenwürdigen Sterbeprozess, der bis zuletzt ihren Vorstellungen und  ihrem Willen entspricht. ÄrztInnen, Betreuende und Angehörige haben die Aufgabe, diesen Sterbeprozess zu unterstützen.

Ethikberatung unterstützt Sie bei rechtlichen und ethischen Schwierigkeiten, die am Lebensende auftreten können, durch Aufklärungsarbeit. Einige Kliniken und Krankenhäuser haben bereits sehr hilfreiche und sensibel auf die Situation abgestimmte Leitlinien zur Unterstützung der PatientInnen, ÄrztInnen, Betreuenden und Angehörigen entwickelt. Siehe. z. B. "Ethik am Lebensende", Leitlinie der DRK-Kliniken Berlin, herausgegeben vom dortigen Ethikkomitee:

http://www.drk-kliniken-berlin.de/uploads/media/LL_Lebensende_Verteilerversion_01-2009.pdf

http://www.drk-kliniken-berlin.de/uploads/media/LL_Lebensende_Verteilerversion_01-2009.pdfhttp://www.drk-kliniken-berlin.de/uploads/media/LL_Lebensende_Verteilerversion_01-2009.pdf

Link zu häuslichen Pflegeangeboten:

http://www.24-stunden-pflege.net/thema/haeusliche-betreuung